Bürgerausee Clean Up
von Webmaster
Blei, Blasen und Beweismittel: Einsatz am Bürgerausee
Sonntag, 7.6.2026, 09.30 Uhr.
Bürgerausee Kuchl.
Eigentlich eine unchristliche Zeit für ein Wochenende, aber mein Klient bezahlte mich im Voraus. Mein Auftrag: Einem vermeintlichen Liebespaar hinterherspionieren, das sich angeblich sonntags am See trifft. Doch was ich stattdessen durch mein Fernglas sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
Ich stand hinter den dichten Sträuchern am Ufer und überlegte gerade, ob ich den Gang zum Klo noch ein wenig hinauszögern könnte, als plötzlich alles ganz schnell ging. Ein Van hielt am Ufer. Keine Liebesleute. Stattdessen stiegen zwei zwielichtige Gestalten aus und begannen hastig, die Ladefläche zu leeren. Mein Detektiv-Instinkt schlug sofort Alarm.
Zuerst wuchteten sie schwere Gasflaschen zum Seeufer. “Chemische Kampfstoffe? Oder hochexplosives Material für einen Coup?”, ging es mir durch den Kopf. Doch es kam noch besser: Direkt danach luden sie schwere, kompakte, kleine Päckchen aus. Anscheinend in schwarzes Material verpackt, manche glänzten auch in der Sonne, als ob man sie mit Aluminium umwickelt hätte. Bingo. Das sah verdammt nach reinrassigem Rauschgift-Schmuggel aus, exakt portioniert und bleischwer.
Die beiden luden das brisante Material in Rekordzeit ab, sprangen zurück in den Wagen und brausten davon. Eine klassische Übergabe. Sollte ich es wagen, hinzugehen und nachzusehen oder eines zu beschlagnahmen? Doch es kam anders, 4 weitere Personen kamen dazu. Eindeutig als Patrouille, um neugierigen Personen wie mir klar zu machen: Das hier ist nichts, was dich etwas angeht! Verschwinde! Ich hielt den Atem an, die Kamera im Anschlag.
Und dann, wie aufs Stichwort, kamen sie! Gestalten in schweren Schutzanzügen. Das Sondereinsatzkommando der Unterwelt, bereit, die heiße Ware im See zu versenken!
Die Spur führt unter Wasser
Ich beobachtete wie erstarrt, was als Nächstes passierte. Die finsteren Gestalten in ihren Anzügen schnallten sich das illegale Equipment auf den Rücken. Die vier Aufpasser der Landpatrouille gingen im Gleichschritt mit ihnen ans Seeufer. Eine einzige verdächtige Kiste blieb am Ufer zurück. Was da wohl drin war? Die Beute aus dem letzten Raubzug?
Lautlos glitten die Maskierten ins Wasser. Die Patrouille behielt das Ufer messerscharf im Auge, während die Taucher:innen mitsamt der verdächtigen Ausrüstung im trüben Schlund des Bürgerausees abtauchten. Ich schlich mich geduckt durch das Unterholz am Ufer entlang, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Mein Herz hämmerte gegen die Rippen.
Minutenlang passierte nichts, außer dass eine Spur aus verräterischen Luftblasen quer durch den See zog. Sie operierten mit beängstigender Präzision: Während die Taucher:innen koordiniert den Seeboden absuchten, zweifellos, um weitere illegale Depots anzulegen, hielt die Landcrew am Ufer eisern die Stellung. Jeder Handgriff saß, keine Fehler, reine Routine.
Der Fall bricht zusammen
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie die komplett andere Seeseite. Ich hetzte hinterher, brachte mich hinter einem Baum in Position und zoomte mit dem Kameraobjektiv ganz nah heran, als die Köpfe der Taucher:innen nacheinander die Wasseroberfläche durchbrachen. Jetzt hatte ich sie! Das war das Beweisfoto für Interpol!
Doch als ich das Bild scharf stellte, klappte mir glatt die Kinnlade herunter.
Die Frauen und Männer in den Tauchanzügen zogen keine wasserdicht verpackten Drogenpakete an Land. Stattdessen reichten sie den wartenden Helfer:innen prall gefüllte triefende Netze voller Zivilisationsmüll. Aus den Netzen glänzten mir Flaschen, Plastikmüll, eine ganze Angel und sogar ein kleiner Klappstuhl entgegen. Ich ließ die Kamera sinken und fing laut an zu lachen. Mein Fall war spektakulär geplatzt.
Wie ich später herausfand, wechselten sich hier am Bürgerausee jährlich zwei Vereine mit der Seereinigung ab - der Tauch Club Delphin aus Hallein und die Umwelttaucher. Im Jahr 2026 waren die Umwelttaucher wieder an der Reihe. Und was ich für das Verbrechen des Jahrhunderts hielt, war in Wahrheit eine verdammt professionelle und freiwillige Unterwasser-Reinigungsaktion. Bei den vermeintlichen Schwerverbrechern unter Wasser handelte es sich um Lisa, Stefan S., Martin und Christian als Taucher:innen, während am Ufer Armin, Theresa, Sylvia und Laura die Stellung hielten.
Die “Drogenpäckchen” waren stinknormales Taucherblei (schwarze mit Stoff umwickelte und glänzende Bleistücke). Sogar das Rätsel um die geheimnisvolle Kiste am Ufer war gelöst. Darin lauerte kein Schmuggelgut, sondern lediglich die restliche Ausrüstung einer der Taucher. Die vermeintlichen “Kampfstoffe” waren nichts als komprimierte Atemluft.
Fall geschlossen
Keine Gangster am Werk, sondern eine coole Sonntags-Frühschicht. Als Detektiv muss ich neidlos anerkennen: Saubere Arbeit, Umwelttaucher! Statt der erhofften tonnenschweren Drogenlieferung förderte die Crew am Ende eine beachtliche Müllmenge von 27,1 kg zutage. Dank eurem Einsatz 2026 ist das einzige Verbrechen am Bürgerausee nur noch der Müll, den andere dort hinterlassen.
Ein ganz besonderer Dank des Kartells - Verzeihung, des Vereins - geht an dieser Stelle an die Gemeinde und den Bauhof Kuchl, sowie an Joes Wassersportcenter für die Unterstützung durch Luft und Ausrüstung.
Ich packe meine Ausrüstung ein. Der See ist wieder sicher.
P.S.: Die Auflösung des Liebespaar-Rätsels ist an Absurdität kaum zu übertreffen. Mein Klient hatte auf dem Handy seiner Frau das Foto des Bürgerausees gefunden, versehen mit der Nachricht eines Unbekannten: „Morgen um 9:30 Uhr wie immer. Bis dann.“ Seine Frau kam heute Morgen auch tatsächlich an den See. Allerdings nur, um am Kiosk ihre dort am Vortag vergessene Badetasche samt Lieblingsbikini abzuholen. Der Absender der Nachricht war der ehrliche Kioskbesitzer gewesen! Das echte Liebespaar, das ich die ganze Zeit im Visier hatte, saß ein paar Meter weiter auf einer Decke und wurde von mir fälschlicherweise beschattet. Als das „Umwelttaucher-Kartell“ dann seinen Müll genau vor deren Nase ablud, war es mit der Romantik der Fremden vorbei. Mein Klient kann aufatmen: Keine Affäre, die Tasche ist wieder da und die Gedanken meines Klienten sind hoffentlich bald so sauber wie der See.
Danke an Sylvia für die tollen Fotos!